Daniel · Christopher · Barcelona

Eine leise Liebesgeschichte · Band 1 · Leon Herbertz

Home
Buchcover DANIEL · CHRISTOPHER · BARCELONA von Leon Herbertz

Gelesen im August 2026

„DANIEL · CHRISTOPHER · BARCELONA“ ist eine leise, aber ungewöhnlich stimmige Liebesgeschichte: zwei Männer, ein Architekt und ein Sportlehrer, die sich zwischen einer deutschen Stadt und den Straßen Barcelonas langsam näherkommen, ohne große Dramatik, aber mit echtem Gefühl dahinter. Was das Buch besonders macht, ist kein einzelner großer Trick, sondern die Summe vieler kleiner, gut gesetzter Details, die am Ende zusammenpassen.

Schon die kleinen Dinge sind durchdacht: Der Spitzname „Rossi“ für Christopher zum Beispiel kommt nicht aus dem Nichts, sondern wird durch seinen leichten italienischen Akzent früh im Buch vorbereitet und danach konsequent durchgehalten. Genauso ist es mit der immer wiederkehrenden Mischung aus Wärme, Nähe und Vertrauen, die sich wie ein roter Faden durch die Beziehung der beiden zieht und ihr, ganz ohne große Gesten, ein echtes Fundament gibt.

Besonders gut gelungen sind die beiden Coming-outs: Christophers beiläufiges, ungeplantes Geständnis im Kollegenkreis und Daniels bewusst vorbereitete Ansprache vor dem eigenen Büro sind klar als Gegenstück zueinander gedacht, ohne dass sich eine Szene wie eine Wiederholung der anderen anfühlt. Einmal der spontane Mut, einmal der geplante. Auch der Vater bekommt mit der Rückblende auf seinen Jugendfreund Thomas eine eigene, glaubwürdige Vorgeschichte, die seine anfängliche Zurückhaltung erklärt und die spätere Versöhnung dadurch umso stärker macht. Am Ende werden die beiden Elternhäuser kurz hintereinander gezeigt, wie zwei Bilder, die nebeneinanderhängen und sich gegenseitig kommentieren, ohne dass es ausgesprochen werden müsste: einmal die leise, schnell akzeptierende Variante, einmal die schwerere, aber tiefere Aussprache.

Handwerklich am stärksten ist der Barcelona-Handlungsstrang um Christophers früheren Partner Luis, der nach einem Tauchunfall im Koma liegt: Über mehr als 130 Seiten bleibt der medizinische Fortschritt glaubwürdig langsam, wird nie für billige Spannung beschleunigt, und Nebenfiguren wie Clara und Dr. Roca bleiben dabei die ganze Zeit gleich. Das ist über so eine lange Strecke nicht selbstverständlich.

Was mich als Leser aber am meisten getroffen hat, war eine eher leise Stelle: Christophers ruhige Erklärung gegenüber Jan, Daniels Bruder: „Jan, ich weiß, ich bin nicht Teil eurer Familie. Aber ich möchte, dass du weißt: Es geht mir gut mit deinem Bruder. Er ist mir wichtig. Sehr wichtig.“ Genau an dieser Stelle, ganz ruhig gesagt und ohne großes Trara, hat mich die Geschichte zum ersten Mal wirklich emotional erreicht. Das ist für mich die größte Stärke des Buches: Die stärksten Momente kommen nicht laut daher, sondern gerade durch diese ruhige, ehrliche Art.

Auch das Nachwort passt dazu: kurz, persönlich, ohne große Worte, und genau deshalb ein stimmiger, warmer Schlusspunkt für eine Geschichte, die ihre Wirkung eher aus Zurückhaltung zieht als aus großen Gesten.

← Zu den Rezensionen ← Zu den Lesetipps ⌂ Zur Hauptseite